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Yard of Ale
Quelle:
Dieter E. Hoppe, Berlin
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 Das Yard-of-Ale-Trinkglas war in Britannien für etwa 400 Jahre in Gebrauch, wo es auch „Long Glass“, „Cambridge Yard Glass“ und „Ell Glass“ genannt wurde. Das Yard, nach dem es benannt ist, ist die nominelle Länge des Glases, und die Füllmenge beträgt üblicherweise „one pint“ [0,57 Liter]. Ein Yard entspricht 36 Zoll [0,92 Meter], jedoch wurden „Yard-of-Ale“-Gläser auch von 18 Zoll [0,46 Meter] bis weit über einen Yard und mit einem Fassungsvermögen von bis zu 4 pints gefertigt [2,28 Liter].

 Mit Sicherheit läßt sich die Geschichte des Yard-of-Ale-Glases auf 1617 zurückdatieren, als es von Thomas Young [1] in „Englands Bane“, erwähnt wird — „Er ist kein richtiger Mann, der nicht im Dutzend trinken kann — aus einem Yard — und so trinken wir mit einem Maß ohne Maßen“. Im Tagebuch von John Evelyn [2] befindet sich im Eintrag für den 10. Februar 1685 ein eindeutiger Hinweis auf das Yard-of-Ale-Glas, „Vom Sheriff der Grafschaft zur Proklamation des Königs [James II] entsand, ging ich am nächsten Tag nach Bromely [in Kent], wo ich den Sheriff und den Befehlshaber der Truppen von Kent traf, mit einem Gefolge, ich schätze, von über 500 Pferden und unzähligen Männern. Zwei von seiner Majestät Trompetern und ein Sergeant mit anderen Offizieren, die ihre Pferde auf einem großen Feld nahe der Stadt angebunden hatten, die dann marschierten, mit angelegten Schwertern zum Marktplatz, wo sie einen Ring bildeten. Nach einer Fanfare aus den Trompeten und einiger Stille, las der Hochsheriff die Proklamation seinem Herold vor, der sie laut wiederholte, und dann, nach vielen Hochrufen des Volkes, wurde vom Sheriff, dem Kommandanten, Offizieren und hohen Gentlemen aus einem Flintglas von einem Yard Länge auf seiner Majestät Gesundheit getrunken. Sie alle zerstreuten sich, und ich kehrte heim.“

 Es scheint, daß das Trinken aus dem Yard-of-Ale-Glas besonderen Anlässen vorbehalten war, obwohl es zu Shakespeares Zeiten und später in Rasthöfen und Tavernen auch im alltäglichen Gebrauch für Trinkwettbewerbe stand, bei denen Gäste auf das Ergebnis zu wetten pflegten — Sieger war der Teilnehmer, der zuerst fertig war ohne etwas zu verschütten. In der Grafschaft von Staffordshire, anläßlich des jährlichen „Vines“ der Mock Corporation in Hanley, beinhaltete die Aufnahme eines neuen Mitgliedes, daß er ein Yard-of-Portwein trinken mußte. Während es in der nahen Stadt namens Stoke-of-Trend ein Teil der Zeremonie für den Eintritt eines „Freeman“ war, daß er ein Yard-of-Ale austrank. Es wird auch berichtet, daß Etoner Schuljungen es in der Vergangenheit als bemerkenswerte Leistung ansahen, „das lange Glas zu Boden zu strecken“. Man glaubt, daß das Glas ursprünglich gemacht wurde, um es Kutschern und oben sitzenden Passagieren bequem nach hochreichen zu können.

 Nach dem in England gültigen Steuersystem wurden nach 1745 hergestellte Yard-of-Ale-Gläser Gegenstand einer Akzise [indirekte Steuer], bemessen nach dem Gewicht des Glases für dessen Herstellung. Zudem mußte diese Steuer vor jeglichem Schneiden oder Schleifen des Glases zum Zwecke der Dekoration abgeführt werden, und man sagt, dies trug zur Stimulation des Wachstumes der Irischen Glasschneideindustrie bei, wo diese Steuer nicht galt. Um die Situation zu verstärken, wurde die Steuer 1777 verdoppelt! Yard-of-Ale-Gläser waren zu jener Zeit nicht die einzigen Gläser mit gerundetem Böden, welcher verhinderte sie auf dem Tisch abzustellen. Der Trinker wurde dadurch ermutigt, öfter ein Schluck zu nehmen, und die bedienenden Mädchen sorgten für Auffüllung, sobald das Glas leer war. So vielleicht war das Design des runden Bodens tatsächlich eine frühe Idee zur Umsatzförderung! Als man Gläser schließlich mit „flachem“ Boden fertigte, wurden diese als „Tumbler“ bekannt — obwohl sie eigentlich doch recht standfest waren.

 Die Form des Yard-of-Ale besagt viel über die Fertigkeit von Glasbläsern des 17. Jahrhunderts, und es ist bedauerlich, daß nur wenige Exemplare von damals bis heute erhalten sind, zweifellos wegen der Form und Zerbrechlichkeit des Materials. Erhaltene Gläser stammen selten aus der Zeit vor 1850. Schöne Exemplare befinden sich in verschiedenen Sammlungen, inklusive einer auf dem Sitz der Familie Sackville, Knole House, Sevenoaks, in der Grafschaft von Kent.

 Die meisten der Yard-of-Ale-Gefäße sind weniger praktische Trinkgläser als vielmehr „Trick“-Gläser, und sicherlich erfordert es einiges an Erfahrung um den Inhalt erfolgreich ohne Verlust austrinken zu können. Einmal zum Trinken angesetzt ist es schwierig das Yard-of-Ale wieder abzusetzen, ohne daß beim Zurücklaufen des gesamten Inhaltes etwas herausspritzt. Das Geheimnis ein Yard-of-Ale zu trinken ist, den Hals während des Trinkens nur behutsam über die Horizontale anzuheben, andernfalls bildet sich in der Kugel am Fuße des Gefäßes eine Luftblase über dem Inhalt, welche, einmal geschehen, den Ablauf an Flüssigkeit unkontrollierbar macht und wobei der ahnungslose Trinker mit dem Inhalt überschüttet wird.

-- Yard of Ale
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 Von Interesse für den Yard-of-Ale-Trinker dürfte sein, worin der Unterschied zwischen Ale und Bier besteht. Durch einen Schriftsteller des späten 16. Jahrhundertes ist überliefert, daß Bier mit Hopfen aromatisiert wurde, wohingegen Ale ohne Hopfen gemacht wird. Es kann jedoch nicht behauptet werden, daß diese Unterscheidung gemeinhin akzeptiert wird, da sie von Ort zu Ort variiert, und heutzutage werden beide Benennungen verwendet, oft austauschbar für das gleiche Produkt. Viel Verwirrung und Widerspruch gab es im 18. Jahrhundert sicherlich, als ein Stapel von Gläsern, der eigentlich zum Trinken von ungehopftem „Ale“ bestimmt war, in der Tat mit „Hopfen“-Motiven graviert wurde.

 Freundliche Warnung — Wegen der zerbrechlichen Natur der Yard-of-Ale-Gläser ist es zu empfehlen, den Unerfahrenen in die Techniken des Trinkens einzuweisen, denn falls die Sache schiefgeht, könnte die Überraschung das Opfer dazu verleiten, das Glas zu fest zu greifen oder fallenzulassen und dabei den Hals abzubrechen.


[1] Young, Thomas. Englands Bane: or, the Description of the Drunkennesse. London, 1617. Eine Sammlung von Beispielen aus der Geschichte zur Warnung gegen Trunkenheit.

[2] Evelyn, John. Diary. Ein Englischer Gentlemen vom Lande im besten Sinne. Sein Tagebuch dokumentiert nahezu das ganze seines langen Lebens, von 1620 bis 1705.

© 1975 medieval glass, YE-OLDE ‘YARD-OF-ALE’ DRINKING GLASS — From the Reign of Queen Elizabeth the First, 400 YEARS OF DRINKING HISTORY, to Queen Elizabeth the Second of England.

 
 Bleibt nur noch eine Frage: Wann werden Sie das nächste Mal aus dem legendären Yard of Ale trinken?
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